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Wiessee, Rottach, Gmund: So liefen die Sitzungen während der Corona-Krise

Gemeinderat mit Schutzmasken?

Gemeinderatssitzungen in Zeiten von Corona: Eine außergewöhnliche Situation erfordert außergewöhnliche Maßnahmen. In Wiessee und Rottach hat sich einiges verändert – in Gmund lief’s recht normal. Doch wie hat das mit den Schutzmaßnahmen funktioniert?

Gestern Abend fanden in einigen Gemeinden Sitzungen unter besonderen Umständen statt.

Gemeinderatssitzung Bad Wiessee im Gasthof zur Post:

Es war die letzte Gemeinderatssitzung mit dem alten Rat. Das war nicht das einzig besondere am gestrigen Abend. Sie fand zudem im Hotel zur Post im großen Saal statt. Corona sei Dank. Ein großes U aus Tischen ist für den Gemeinderat aufgebaut, der in gewohnter Reihenfolge im Saal sitzt. Nur die Abstände sind größer. In einer zweiten Tischreihe dürfen Architekten und Mitarbeiter der Verwaltung Platz nehmen.

Die Wiesseer Gemeinderatssitzung fand im Gasthof zur Post statt. Eine Maske trug so gut wie keiner. / Quelle: Nina Häußinger

Ganz hinten im Saal sind Stuhlreihen für die Zuhörer vorgesehen. Rund 20 Wiesseer, darunter auch der neue Bürgermeister Robert Kühn (SPD), wollen sich über die Themen informieren. Alle Räte haben Masken vor sich auf den Tischen positioniert. Zu Beginn wuseln die Leute durch den Saal – nur einige wenige tragen bei den Unterhaltungen ihre Maske. Als es dann losgeht, setzen auch die letzten ihre Maske ab.

Ein Danke an die beiden Bürgermeister

Die Ausführungen von Architekten und Geschäftsführer waren dann lang und unverständlich. Die Bürger reckten die Köpfe. „Ich höre nichts“, sagt ein Herr. „Lauter“, ruft ein anderer. Der Saal ist groß und ohne Mikros konnten die Zuhörer in den letzten Reihen nur wenig verstehen.

Der Rest der Sitzung läuft wie gewohnt – hitzig und kontrovers. Zum Thema Parkgebühren und Spielarena folgen an dieser Stelle weitere Berichte. Eine richtige Verabschiedung des alten Rats und des Bürgermeisters gab es gestern zwar nicht. Trotzdem schenkten FWG und SPD dem ersten und zweiten Bürgermeister je einen großen Korb voller Obst. „Wir möchten Danke sagen und euch ein paar Vitamine mitgeben. Es war eine gute Zeit“, sagt Bernhard Kuntze-Fechner (SPD). Das findet auch Bürgermeister Peter Höß (Wiesser Block).

Auch wenn es manchmal kontrovers war. Das ist manchmal besser, da macht man sich mehr Gedanken um Probleme und löst sie besser.

Eine offizielle Abschiedsfeier werde es aktuell wegen Corona erstmal nicht geben. „Das machen wir dann, wenn wir auch mal wieder anstoßen können“ verspricht Höß. Außerdem wünscht er seinem Gemeinderat Gesundheit und dass es keinen erwischt oder wenigstens nicht sehr schlimm.

Gemeinderatssitzung Rottach-Egern im Seeforum:

Es ist schon skurril. Man sitzt im Auto und zieht sich die Maske auf. Doch anders als sonst, betritt man wenig später nicht das Rathaus, sondern das Rottacher Seeforum. Vor dem Eingang wird nochmals auf den Sicherheitsabstand und das Händedesinfizieren hingewiesen. Ein Mittel steht bereit.

Desinfektionsmittel vor dem Eingang. / Quelle: Maxi Hartberger

Drinnen angekommen, sind die Plätze über den gesamten Saal verteilt. Wer wo sitzt? Das wissen die Gemeinderäte zunächst auch nicht so recht, aber Geschäftsleiter Gerhard Hofmann kann helfen. Am Platz wird erstmal die bereit gestellte Atemschutzmaske begutachtet. Dr. Klaus Fresenius erklärt fachkundig seiner FWG-Kollegin Gabriele Schultes-Jaskolla, wie man sie richtig aufsetzt. Von der Gemeinde halten sich so gut wie alle an das Maskengebot. Im Zuschauerraum sitzen zwölf Leute – eine Maske hat niemand von ihnen auf.

Zusammenhalt im Ort

Pünktlich um 19:00 Uhr beginnt die Sitzung. Bürgermeister Christian Köck (CSU) fackelt nicht lange rum. Es sei eine ungewöhnliche Situation, sich hier im Seeforum zu treffen. „Nichtsdestotrotz haben wir eine lange Tagesordnung. Deshalb bitte ich in der letzten Gemeinderatssitzung mit der alten Besetzung darum, sich kurz zu fassen und trotz großem Abstand das Ratschen zu unterlassen.“

Danach verläuft die Sitzung wie gewohnt. Nur das mit dem Zuhören klappt nicht bei jedem so gut. Ein älteres Ehepaar unter den Zuschauern seufzt – sie verstehen nicht, was Bauamtsleiterin Christine Obermüller da vorne zum Bebauungsplan erklärt. Nachvollziehbar, schließlich ist der Saal groß und Mikros werden nicht verwendet.

Sicherheitsabstand und Atemschutzmaske: Die Rottacher Sitzung fand im Seeforum statt. / Quelle: Maxi Hartberger

Zum Schluss ergreift Köck die Gelegenheit, nochmal seinen Dank auszusprechen: „Wir sitzen heute in dieser Besetzung, wenn auch an ungewohnter Stelle, zum letzten mal beinander. Wir haben jetzt sechs Jahre zusammenarbeiten dürfen und ich glaub, wir haben das in Summe sehr gut hinbekommen”, zeigt sich der Bürgermeister zufrieden. Die scheidenden Gemeinderäte sollen zu einem späteren Zeitpunkt, „wenn hoffentlich die Wirtschaften wieder offen haben“, ordentlich gewürdigt werden.

Ich möchte mich bei all jenen bedanken, die künftig nicht mehr in diesem Gremium sitzen – für ihr Engagement, ihre Zeit und die stets konstruktive und kameradschaftliche Zusammenarbeit.

Zudem lässt es sich Köck nicht nehmen, auch einige freiwillige Projekte und Initiativen zu erwähnen und sich für das Engagement während der Corona-Krise zu bedanken. Unter anderem die Seniorenresidenz Wallberg mit der Aktion „Was Warms für dahoam“ oder auch die Seniorenbeauftragte Marille Tipolt, die vom FC Rottach unterstützt wird und „die Burschen freiwillig Essen für die älteren Leute ausfahren.“ Dies sei eine sehr schöne Geste und zeige, dass man im Ort zusammenhält, wenn es drauf ankommt. „Es werden auch wieder andere Zeiten folgen“, schließt der Bürgermeister den öffentlichen Teil der Sitzung.

Ortsplanungsausschuss Gmund im Rathaus

Relativ gewohnt ist das Bild im Gmunder Sitzungssaal, in dem am Dienstagabend der Ortsplanungsausschuss tagte. Keiner der Räte und auch kein Besucher trägt einen Mundschutz. Aber die Stühle waren deutlich weit auseinandergeschoben. Bürgermeister Alfons Besel (FWG) kontrollierte persönlich noch die Abstände und rückte den einen oder anderen Stuhl nochmal zurecht.

Der Mindestabstand von 1,50 Metern war angesichts der wenigen Anwesenden schon von Haus aus gegeben, da genug Platz vorhanden ist. 13 Männer und Frauen teilten sich den Raum am Sitzungstisch. Acht Zuschauer saßen auf mindestens 1,50 Meter auseinandergeschobenen Stühlen. Besel machte zur Begrüßung noch darauf aufmerksam, dass man den entsprechenden Abstand beachten solle und dass es auf Wunsch Desinfektionsmittel gebe – im Flur zwischen den beiden Toilettenräumen.

Der Ortsplanungsausschuss in Gmund fand normal im Sitzungsaal statt. Eine Maske trug niemand. / Quelle: Rose Beyer

Währenddessen steht die Verabschiedung der scheidenden Gemeinderäte in Gmund wegen Corona noch in den Sternen. „Wir werden die Räte dann verabschieden, wenn wir dies würdig tun können“, so Bürgermeister Besel in der Sitzung. Und meinte damit, dass man danach gemeinsam noch „ein Glaserl trinken“ könne. „Schauen wir mal, wie es bis zum 8. Mai wird“, stellte er einen Wunschtermin in den Raum.

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