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Ein Gegenkommentar von Martin Calsow

Haltung zur Heimat haben

Hat der Mensch im Oberland einfach kein Benehmen? Wieso nerven ihn die Zugereisten, die Veränderungen, kurz: Die Gesamtsituation? Der Kollege Peter Posztos hat seinem Ärger über spezielle Tal-Insassen Luft gemacht. Kann man machen. Ist aber zu einfach, wie Martin Calsow findet.

Leben und leben lassen

Ein Kommentar von Martin Calsow:

Die Diskussion „Zugezogene vs. Einheimische“ ist global und bestimmt kein oberbayerisches Exklusivrecht. Selbst scheinbar linke Großstädter kennen das: Ob Kreuzberg / Prenzlberg, wo reiche Schwaben und AirBnb-Nutzer von Einheimischen beschimpft werden, oder die San Francisco Bay Area, wo zugezogene Computer-Freaks der großen Digital-Unternehmen die Miet- und Hauspreise in den Himmel schießen lassen.

Überall geht es um Ökonomie und Identität. Es geht weniger um Bäckereidüfte, Kuhglocken und Waldfeste. Das sind letztlich nur Ventile für einen unbestimmten aber mächtigen Groll gegen Veränderungen im Tal, die jeder sieht, aber die keiner ändert. Es geht vor allem um die Frage, ob „normale Menschen“ an idyllischen Flecken noch leben dürfen oder können, oder ob die Ghettoisierung der reichen Klientel wie in Rottach und Tegernsee fortschreitet.

Raffke-Mentalität verhindern

Dabei ist der Zustand des Reichseins selbst nicht entscheidend. Meist geht er einher mit einer unangenehmen „Ich hab’s bezahlt, ich hab das Recht“-Attitüde. Hinzu kommt die brutale Verteuerung von Land und Konsum. Brutaler Marktliberalismus in schicker Lederhose eben, der maximale Bebauung will, der kommunalen Wohnungsbau ablehnt, der sich wichtig fühlt in jährlichen Gipfeln, der das Tal nur als eine Ansammlung von exklusiven “Filetstücken” sieht.

Den mauligen Teil der Einwohner der Bigotterie zu bezichtigen, ist dabei zu einfach. Die Beschwerden haben reale Ursachen. Die Grundstimmung bei allen, die das Tal als ihre Heimat ansehen, gleich, wie lange sie dort schon wohnen und woher sie stammen, droht zu kippen.

Allianzen suchen

Der Wandel geht in einem rasanten Tempo vonstatten, und er geht in die falsche Richtung. Nur, und hier sollten Einwohner klug reagieren, müssen Neubürger ins Boot gezogen werden. Denn längst nicht alle wollen hinter hohen Hecken leben und eine Friedhofsruhe genießen. Die Zahl der Alteinwohner schrumpft, die der Neubürger steigt. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Also gilt: weniger auf die Herkunft schauen, als auf die Haltung zur Heimat. Und: Mehr Verantwortliche aus unseren Vereinen, der Politik und Wirtschaft sollten den Austausch und Allianzen mit Regionen suchen, die unter ähnlichen Entwicklungen leiden – weg vom Kirchturm eben.


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