Forschungsprojekt startet in Holzkirchen
Mehr Daten, weniger Staus?

von Redaktion

Der Landkreis Miesbach hat regelmäßig mit Staus zu kämpfen, egal ob durch Ausflugs- oder Berufsverkehr. Eine Lösung muss her. Der Zweckverband KDZ versucht es nun mit einem Anti-Stau-Forschungsprojekt. Mitte 2021 soll es ein System zur effektiven Verkehrsteuerung geben. Ausgangspunkt ist Holzkirchen.

Berufs- und Ausflugsverkehr sorgen im Landkreis Miesbach regelmäßig zur Staubildung.

Bei der letzten Sitzung des Zweckverbands KDZ wurde beschlossen, am Forschungsprojekt „Strategiekonformes Multimodales Routing (Saturn)“ teilzunehmen. Klingt kompliziert, ist es auch. Denn dafür müssen eine Menge Daten erhoben und in ein System aufgenommen werden. Das Ziel dahinter: Weniger Staus, indem eine effektive Verkehrssteuerung ausgehend von Holzkirchen eingeführt wird.

Erarbeitet wird das Projekt vom KDZ-Geschäftsführer Michael Braun in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsexperten Wolfgang Kieslich aus Holzkirchen. Grundlage für das lokale Saturn-Konzept ist die EU-Direktive über intelligente Transportsysteme. Denn im Jahr 2010 wurde gefordert, dass relevante Verkehrsdaten den Mobilitätsdiensten gestellt werden müssen, um Navigationssystemen bestmögliche Informationen zu bieten. Bisher wurde das nur auf Bundesstraßen umgesetzt, seit 2019 auch auf Landesstraßen und bis 2023 sollen sämtliche Straßen erfasst sein.

Welche Daten werden aufgefasst?

Die Datenerhebung zieht einen großen Aufwand mit sich. Selbst kleinere Kommunen müssen in absehbarer Zeit Datenmaterial erheben und zur Verfügung stellen. Strategische Routen, Lenkung, Ankündigung von Baustellen und Veranstaltungsverkehr müssen definiert, abgestimmt und digitalisiert werden. Diese Daten sollen dann an Kartenhersteller und Navigationsdienste weitergeführt werden. Verkehrsexperte Kieslich zu dem Projekt:

Es ist ein großes Thema, das viele Gemeinden überfordern wird. Es braucht Personal und Technik. Aber das größte Problem ist: Kaum einer kennt dieses Thema.

Daher gelte es zu klären, welche Rolle das KDZ für die Kommunen spielen kann. Das Besondere sei außerdem: Bereits bestehende Strukturen können für das Projekt genutzt werden, ein Bau von neuen Strukturen sei nicht nötig.

Dauer, Ablauf und Kosten

Insgesamt ist eine Dauer von 30 Monaten für das Projekt angelegt, gestartet wird voraussichtlich Mitte 2021. Aufgeteilt ist der Ablauf in drei Phasen, die nach einer Analyse der Marktgemeinde Holzkirchen ins Rollen gebracht werden können.

Die erste Phase dauert etwa neun Monate. Es sollen fehlende Verkehrs- und Infrastrukturdaten in der Marktgemeinde aufgefasst werden, und die Aufgabenteilung zwischen KDZ, Kommune, Freistaat und Privatwirtschaft erprobt werden. Zusätzlich wird die Vernetzung der Datenwerkzeuge verknüpft. In der zweiten Phase soll der Korridor zwischen Hofolding/Sauerlach, Miesbach/Gmund und Bad Tölz erprobt, evaluiert und angepasst werden. Und zu guter letzt, in Phase 3, soll es zu einer Ausweitung auf das gesamte Verbandsgebiet des KDZ kommen, eventuell sogar auf ganz Bayern.

2,3 Millionen Euro sind für das Projekt momentan angesetzt, eine mögliche Förderung würde die Projektgemeinschaft um 1,7 Millionen Euro unterstützen. Die Kosten des KDZ liegen bei 765.000 Euro. Bei einer Förderung von 80 Prozent bliebe ein Eigenanteil von 152.904 Euro. Die Zustimmung der Verbandsgemeinschaft gelte allerdings nur für eine Förderung von mindestens 70 Prozent.


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