Wiesseer Defizite schonungslos offengelegt

von Peter Posztos

Eine 3,78 für den Gemeinderat, eine 3,8 für den Wiesseer Bürgermeister. Die Noten, die die Bürger im Rahmen der CSU-Befragung vergaben, sorgten nicht gerade für große Begeisterungsstürme unter den Gemeinderäten.

Denn einige von Ihnen hatten sich unter die 70 Anwesenden gemischt, die am gestrigen Abend zur “Ergebnispräsentation” in den Gasthof zur Post kamen. Bürgermeister Höß war dagegen nicht da und ließ sich durch den Geschäftsleiter vertreten.

Dabei verpasste Höß eine, trotz der Vielzahl von Informationen, gelungene Zusammenfassung von insgesamt 540 Fragebögen, die von Bürgern und Touristen, online wie offline, im Laufe des Sommers ausgefüllt worden waren.

Bei der Präsentation der Befragung im Juli 2012: Florian Sareiter, Daniel Samardzic, Marion Hammes und Sebastian Dürbeck

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“Ein Feuerwerk an Fakten”, so hatte es der CSU-Ortsvorsitzende Florian Sareiter zu Beginn der Präsentation angekündigt. Und Sareiters Ansage sollte sich bewahrheiten. Die Auswertung der Bürgerbefragung, die die Wiesseer CSU den ganzen Sommer über beschäftigt hatte, war umfänglich. Online-Fragebogen oder gedrucktes Exemplar,Teilnehmerstruktur, Wohnsitz der Befragten – das war nur der Einstieg in die detaillierte und teilweise auch sehr schonungslose Analyse der Ergebnisse.

Keine direkten Angriffe

540 Fragebögen galt es auszuwerten, zu Clustern zusammenzutragen und dann in eine verständliche Form zu bringen. Insgesamt 2000 Euro hat die ganze Aktion gekostet, an der laut Sareiter in den letzen 5 Monaten bis zu 26 Personen beteiligt waren. “Der Aufwand war gigantisch. Es wäre uns natürlich lieber gewesen, wenn wir das nicht hätten machen müssen”, so der Ortsvorsitzende, der damit indirekt auch die Gemeinde kritisierte.

Doch in der Regel vermied Sareiter direkte Angriffe. Meistens verlief die Präsentation bewusst objektiv. Eine Interpretation oder sogar mögliche Konsequenzen aus der Bürgerbefragung ließ die CSU am gestrigen Abend bewusst außen vor. Und doch war die Gefahr, dass die sehr interessanten Ergebnisse im parteipolitischen Gezänk untergehen, allgegenwärtig. Doch das wollte man in jedem Fall vemeiden.

Gerade die weitere Vorgehensweise (siehe Schaubild) wird es nötig machen, dass vor allem die Gemeinde – unter der Führung eines Freien Wählers (Höß) – sowie die anderen Gemeinderäte an einem Strang ziehen, um auch die richtigen Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen.

Wie geht es weiter? Die CSU hat einen groben Zeitplan für die nächsten 12 Monate aufgesetzt.

Zwölf Monate Zeit möchte die CSU-Führung den Wiesseer Verantwortlichen für Bearbeitung und Umsetzung geben. Empfehlenswert, so Sareiter, wären Bürgerwerkstätten, die Kernthemen wie Verkehr, Tourismus, Infrastruktur und Bauen angehen könnten. Eine erste Bilanz der umgesetzten Maßnahmen sollte dann spätestens im Rahmen der Bürgerversammlung 2013 den Bürgern präsentiert werden.

Großes Potential besteht vor allem bei den Antworten zu den offenen Fragen. Vielen nur schwer umsetzbaren Ansätzen (“ein Kaufhaus im Ort) standen unzählige Vorschläge von Bürgern und Touristen entgegen, bei denen auch die Anwesenden oft zustimmend nickten. “Wege teilweise ungepflegt”, “Hotels & Gästehäuser modernisieren”, “Weihnachtsbeleuchtung fehlt” oder der Brennpunkt Bauen für Familien (“Vergünstigter Wohnraum, z.B. Einheimischenprogramm”)

Einiges an Verbesserungspotential

Aber auch auf die Arbeit der Politik waren viele der Befragten eingegangen. Bemängelt wurde nicht nur die fehlende Transparenz des Wiesseer Rathauses. Auch eine deutlich bessere Zusammenarbeit der Gemeinderäte und des Bürgermeisters wurde angemahnt. Mehr Bürgerbeteiligung, die Modernisierung des Internetauftritts oder die Alleingänge des Bürgermeisters – viele Bürger sehen in ihrer Gemeinde einiges im Argen liegen.

Dabei stellten Sie dem Ort jedoch insgesamt kein erschütterndes Zeugnis aus. Das Erscheinungsbild, die Möglichkeiten der Erholung oder den Zustand der Rad- und Wanderwege bezeichneten zwischen 75 und 83 Prozent der Befragten als ordentlich. Erwartungsgemäß schlecht schnitt Wiessee beim Thema Bauen und Wohnen oder den Einkaufsmöglichkeiten ab.

Vor allem im Vergleich zu den anderen Tal-Gemeinden wurde das Angebot als deutlich schlechter bewertet. So landete Wiessee beispielsweise bei den Punkten Attraktivität und Fortschrittlichkeit jeweils auf dem vierten Platz. Und auch in der Gesamtbewertung schnitt nur Gmund schlechter ab.

Die gesamte Präsentation mit allen Ergebnissen kann man im verlinkten PDF-Dokument nachlesen. Alle Rechte liegen bei der CSU Bad Wiessee.

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