Rückblick auf die Schneekatastrophe im Januar 2019
Elf Tage, enorme Schneemassen, 8.481 Einsatzkräfte

von Maxi Hartberger

Das Jahr 2019 fing turbulent an im Tegernseer Tal. Das ganze Oberland hatte mit enormen Schneemassen zu kämpfen. Im Landkreis Miesbach wurde sogar der Katastrophenzustand ausgerufen. Wir blicken zurück auf gesprengte Lawinen, hunderte freigeschaufelte Dächer und unermüdliche Helfer.

Ein Feuerwehreinsatz bei der Turnhalle Tegernsee während der Schneekatastrophe im Januar 2019. / Quelle: Thomas Gaulke

Bilder wie diese werden wir wohl nicht so schnell vergessen. Nach einem heftigen Wintereinbruch am ersten Wochenende im Januar, fiel im Landkreis Miesbach und der Region an vielen Schulen der Unterricht aus. Am 7. Januar 2019 um 11:25 Uhr rief Landrat Wolfgang Rzehak dann sogar im gesamten Landkreis Miesbach den Katastrophenfall aus. Grund war die extreme Wetterlage im gesamten Oberland bedingt durch anhaltenden Schneefall und Schneebruch. Auch andere bayerische und österreichische Gebiet hatten mit dem extremen Schneefall zu kämpfen.

Im Landkreis Miesbach waren etliche Straßen gesperrt, konnten tagelang nicht befahren werden. Die Bayerische Oberlandbahn musste den Zugverkehr ins Oberland teilweise komplett einstellen. Der Unterricht im gesamten Landkreis fiel für über eine Woche aus. Das Tegernseer Tal versank im Schnee. Doch dabei war gar nicht unbedingt die Menge das Problem. Nicht zum ersten Mal lag in unserer Heimat über ein Meter Schnee.

Einsatzkräfte haben mit schwerem Schnee zu kämpfen

Doch im Januar dieses Jahres war es nicht der locker-leichte Pulverschnee, sondern nasser, eisiger und damit sehr schwerer Schnee. Viele Bäume brachen unter der Last zusammen, Straßen konnten nicht mehr so leicht geräumt werden und zahlreiche Dächer wurden in der gesamten Region vom Schnee befreit. Allein am 16. Januar waren rund 800 Hilfskräfte in Bayrischzell im Einsatz, um die Dächer frei zu räumen.

Hunderte Dächer mussten abgeschaufelt werden. / Quelle: Kurbi Wolf

Miesbach war damals der erste der fünf südbayerischen Landkreise, der den K-Fall feststellte. Dass diese zunächst umstrittene Maßnahme hilfreich war, zeigte der weitere Verlauf: Tausende Einsatzkräfte kämpften rund elf Tage mit den Schneemassen. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz koordinierte in dieser Zeit alle Einsätze im 24-Stunden-Schichtbetrieb. Darin waren alle beteiligten Organisationen vertreten.

Elf Tage lang Katastrophenfall im Landkreis Miesbach

An einem Tisch konnte so eine gemeinsame Strategie für alle betroffenen Bereiche entwickelt werden. “Wir haben alles gerettet, was zu retten war“, erklärte damals Einsatzleiter und Kreisbrandrat Anton Riblinger. Kein Wohnhaus sei zusammengebrochen, kein Menschleben verloren. Dennoch blieben Schäden während der Extremwetterlage nicht aus.

So verzeichneten die Polizeiinspektionen im Landkreis Miesbach rund 93 Verkehrsbehinderungen, drei eingeschneite Verkehrsteilnehmer, acht Verkehrsunfälle mit Personenschaden und 106 Verkehrsunfälle mit Sachschäden. Insgesamt 17 Hilftskräfte wurden bei ihren Einsätzen leicht verletzt. Über 200 Menschen mussten während des K-Falls kurzfristig evakuiert werden, konnten nach der Dachräumung aber in ihre Häuser zurück.

Die BOB war mit den Schneemassen heillos überfordert. / Quelle: Hans Wildermuth

Die größte Konsequenz der Schneemassen war allerdings der zum Teil lahmgelegte Verkehr. Der schwere Schnee verstopfte etliche Straßen und musste aufwendig gefräst und mit Schwertransportern wegtransportiert werden. Viele Straßen wurden wegen Schneebruchs gesperrt. Der Schienenverkehr wurde wie bereits erwähnt ebenfalls teilweise komplett eingestellt. Zusätzlich mussten die Spitzingstraße, die Sudelfeldstraße und die B307 bei Wildbad Kreuth wegen Lawinengefahr immer wieder gesperrt werden. Am Spitzing und am Sudelfeld gingen sogar mehrere Lawinen ab und verschütteten die Straße. Sie mussten gesprengt oder geräumt werden.

Als plötzlich alles ganz still im Raum wurde …

Insgesamt waren während des K-Falls rund 8.481 Einsatzkräfte im Landkreis unterwegs. Rund 1.100 externe Hilfskräfte aus anderen Regionen Deutschlands wurden in vorbereiteten Notunterkünften in Turnhallen untergebracht. Ein enormer Einsatz, für den sich auch Landrat Wolfgang Rzehak mehrfach bedankte. Er zeigte sich vor allem vom Zusammenhalt der Einsatzkräfte tief beeindruckt:

Als Landrat bin ich dankbar und stolz, dass ihr diese Ausnahmesituation so hervorragend gemeistert habt.

Die Anspannung war enorm für alle Beteiligten. Denn brenzlige Situationen gab es während dieser Zeit immer wieder, wie er damals der TS im Interview verriet: „Herausfordernd war, als gleichzeitig fünf LKW auf der Autobahn bei Holzkirchen ineinander krachten, wir eine extra „Koordinierungsgruppe Autobahn“ zur Abwicklung des Unfalls einrichten mussten.“ Gleichzeitig musste damals eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Leitzachtal aufgrund der Scheelast auf dem Dach evakuiert werden.

In Erinnerung bleiben wird Rzehak auch die 17-Uhr-Lagebesprechung am Mittwoch, den 16. Januar. „Gegen Ende der Lagebesprechung klingelte plötzlich bei einem Fachberater das Telefon. Einer seiner Schneepflugfahrer berichtete, dass er mit einer Kolonne Autos auf der Sudelfeldstraße unterwegs gewesen sei, als eine große Lawine abging und die Straße verschüttete. Die Minuten, bis klar war, dass niemand unter der Lawine begraben wurde, waren sehr still.“

Die Hilfskräfte waren im Dauereinsatz. / © Max Luther

Aus seiner Sicht sei es absolut sinnvoll gewesen, sich frühzeitig Gedanken über die Wetter-Prognosen und das weitere Vorgehen zu machen und – als Resultat daraus – den Katastrophenfall festzustellen: „So wusste jeder genau, was seine Aufgabe und sein Beitrag zur Bewältigung der Schadenslage war.“ Er sei froh, dass der Landkreis von größerem Schaden verschont geblieben ist. Sein Fazit damals:

Was die Führungsgruppe und die Einsatzkräfte in den letzten elf Tagen geleistet haben, ist der Wahnsinn. Danke für euren Einsatz!

Auch wir von der TS, für die das Tegernseer Tal mehr als nur Heimat bedeutet, möchten uns zum Jahresende nochmal bei all den unermüdlichen Einsatzkräften bedanken, die damals im Januar kräftezehrende und außerordentliche Arbeit geleistet haben. Allerdings hoffen wir natürlich, dass sich so ein Katastrophenfall im Januar 2020 nicht wiederholt. 😉

Am 11.1. musste die A8 sogar mehrfach gesperrt werden, um mit einem Hubschrauber den Schnee von den Bäumen zu beseitigen. / Quelle: Thomas Gaulke

Hier ein Überblick über die unermüdlichen Einsatzkräfte, die tagtäglich während des Katastrophenfalls im Januar 2019 für unsere Sicherheit sorgten.

  • 3.140 Feuerwehrler, die sich erst um die zahlreichen umgestürzten Bäume auf den Straßen, dann hauptsächlich um die Dachlasten kümmerten. Alle 37 Landkreis-Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
  • Zusätzlich waren 750 Polizei-Beamteim Einsatz. Sie organisierten dabei unter anderem einen Multicopter-Einsatz für Übersichtsaufnahmen von Bayrischzell.
    • 887 Helfer des BRK Kreisverbandes Miesbach, der Bergwacht, der Wasserwachten und der DLRG sowie diverser Kreisverbände kümmerten sich um die Absicherung der Einsatzkräfte und stellten die notfallmedizinische Versorgung der abgeschnittenen Ortsteile sicher. Darüber hinaus kümmerten sie sich um die Versorgung der Helfer mit 15.000 Essen und 25.000 Liter Getränke sowie deren Unterbringung.
    • Das THW war mit 1.306 Kräften aus dem Landkreis Miesbach und 53 Ortsverbänden aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland Pfalz und Hessen gefordert. Neben dem Krankenhaus Agatharied räumte das THW viele weitere Dächer frei. Wichtig war die technische Unterstützung mit Kränen und schwerem Gerät sowie das Abstützen und die Überwachung von einsturzgefährdeten Gebäuden.
    • Die Bundeswehr unterstützte die Einsätze mit insgesamt 1.279 Mann aus Bad Reichenhall, Ingolstadt, Füssen, Straubing und Murnau. Das Kreisverbindungskommando koordinierte die Einsätze. Größter Auftrag für die Bundeswehr war das Abschaufeln von 15.000 Quadratmetern Dachfläche des Krankenhauses Agatharied. Danach wurden alle Einheiten nach Bayrischzell verlegt.
    •  Nicht zuletzt sorgten die Straßenmeisterei Hausham und der Kreisbauhof mit 37 Mann für befahrbare Bundes-, Staats- und Kreisstraßen. Und am Bürgertelefon Katastrophenschutz gingen täglich zwischen 600 und 800 Anrufe ein.


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