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Diskussionen um Tegernseer Neubau

Feuerwehr mit Wohnungen? Oder Wohnhaus mit Wehr?

Da will man schon mal innovativ sein – und dann sowas. Ein Teil der Tegernseer Stadträte zeigte sich entsetzt über die neuen architektonischen Ideen. Der andere verzückt. Doch wer schnelle Entscheidungen rund um das neue Feuerwehrhaus erwartet hat, der irrt.

Wie wird das Feuerwehrhaus in Tegernsee? Momentan bestehen nur vage Vorstellungen auf Reissbrett und in den Köpfen.

„Wir diskutieren weiter!“ Diese Vorausschau aus dem Februar sollte sich in der Tegernseer Stadtratssitzung am Dienstagabend bewahrheiten. Schlachten mit hitzigen Diskussionen rund um den Neubau des Feuerwehrhauses ist man gewohnt. Nachdem man sich im Februar immerhin auf eine „L“-Form des Gebäudes einigen konnte, sollte es sich dieses mal um verschiedene bauliche Möglichkeiten drehen.

Feuerwehr mit Wohnungen? Oder: Wohnhaus mit Wehr?

Ein Trio des Münchner Architekturbüros war mit Visualisierungen betraut worden. Zwar wolle man über Dachformen und Kubaturen erst irgendwann später entscheiden. Aber Bürgermeister Johannes Hagn hatte sich ein festes Ziel gesetzt, mit dem er an diesem Dienstagabend den Sitzungssaal verlassen wollte: „Heute müssen wir entscheiden, ob obendrauf ein erster oder noch ein zweiter Stock draufkommt und welche Form er hat.“ Dazu sollten die Architekten innovative Ideen vorlegen.

„Wir zeigen, was wir uns letztes Mal noch nicht getraut haben.“ So leitete Claudia Schreiber die Präsentation ein. Das „L“ als Basis sei Gesetz. Doch was obendrauf komme, damit hätte man gespielt. Ziel wäre es aus ihrer Sicht, an diesem Abend so weit zu kommen, dass man sagen könne, man will das oder nicht. Dabei erklärte sie, dass sie nur modellhafte Ansichten an die Wand beamen werde. Also ohne Dachformen und ohne Fassadenansichten. Dies wäre aus ihrer Sicht erst der nächste Schritt.

Schreiber zeigte Schemata, die das „L“ zeigten, mit darauf einem kleineren „L“, danach einem Rechteck. Mal wurde das zweite „L“ auch ein wenig nach innen gerutscht. Verschiedene Varianten erschienen an der Wand. „Wir haben ein bisschen Bauchweh, wenn man ein zweites Geschoss draufsetzt“, erörterte sie. Man bekomme zahlreiche Wohnungen, verschiebe aber die Nutzungsart von Feuerwehrhaus zu Wohnhaus. Bernhard Mayr brachte es auf den Punkt: „Wir verzetteln uns – wir bauen in erster Linie ein Feuerwehrhaus.“ Natürlich wolle man Wohnungen auch, aber nicht um jeden Preis.

10 Millionen plus

Bis zu 15 Wohnungen könnten in einem Gebäude mit zwei aufgesetzten Stockwerken entstehen. Daraus entstünden aber auch Folgen: man brauche mehr Stellplätze, eventuell einen zweiten Treppenaufgang und eventuell sogar einen Spielplatz. Außerdem verteuere sich das Vorhaben. Zu den ohnehin schon kalkulierten stolzen 10 Millionen Euro könnten noch weitere 1,7 Mio. hinzukommen.

Verschiedene Varianten wurden durchgespielt. Interessant erschien im Verlauf der Präsentation auch eine Variante mit dem „Basis-L“ und darauf ein kleineres „L“ und als weiteres Geschoss ein herunterterassiertes Rechteck. Sechs Wohnungen könnte man in dieser Variante umsetzen.

Diverse Visualisierungen von begrünten Dachlandschaften zeigte die Architektin. Mal in klassischen Rechtecken, mal organisch geformt oder auch terrassiert verlaufend von der Oberkante bis zum Boden. Genauso variantenreich wie die Ideen würden sich auch die Zusatzkosten verhalten: 275.000 Euro mehr würde ein 3. „L“ mit kleinem Winkel ausmachen, 810.000 Euro ein „L“, bei dem der Winkel komplett herumgenommen wird. Die Forderung der Architektin an die Stadtratsmitglieder:

Sie müssen uns ein Zeichen geben, wo es hingeht!

Sogleich leitete der Bürgermeister die Diskussion ein. Zu dem einen Teil, der sich begeistert zeigte, gehört Rudolf Gritsch: „Das bestätigt, dass man den großen Baukörper in der Landschaft auflösen kann. Die zweifach abgestufte Lös gefällt mir sehr gut. Eine komplette Zweistöckigkeit kann ich mir nicht vorstellen.“ Auch Markus Schertler war beeindruckt: „Mir gefällt die gebogene Form. Da leidet vielleicht der Nutzen drunter, aber von der Idee her schaut des ned schlecht aus, auch wenn‘s vielleicht teurer ist.“

Er habe das Gefühl, man zerfasere sich: „Für was sollen wir heute abstimmen?“ So fragte es sich Peter Sieben. Es seien zwar gute Vorschläge, aber man müsse auch den Standort eines Gebäudes ansehen. Es sei die Stadt Tegernsee. Und eine Stadt zeichne sich dadurch aus, wie die Häuser zusammenstehen: „Ich glaube, es gefällt niemand von uns. Da sind lauter normale Häuser drumrum.“ Die gezeigten Visionen würden gut irgendwo auf eine Grüne Wiese hinpassen.

Als weiterer Mittelpositionierer zeigte sich Peter Schiffmann. Er sprach vom stilistischen Break innerhalb eines Gebäudes. Das Wohnhaus sehe aus wie ein typisch Tegernseer Wohnhaus mit Holz, First und „Drah-di-hui“. Der Rest – also die funktionalen Gebäude im Untergeschoss könnten sich modern abheben.

Von Eindrucks-Lawine überfordert

Andere Stadträte zeigten Ablehnung oder schienen von der Art der Visualisierung und der Vielzahl der baulichen Möglichkeiten überfordert und in ihrem Vorstellungsvermögen erschwert. Martina Niggl-Fisser etwa äußerte, dass die Architektin die Stadträte überschätze und dass ihr eine Fassadengestaltung fehle: „So sieht es aus wie ein Parkhaus.“

Florian Kohler forderte ein, dass „wenn wir was beurteilen sollen, dann müssen wir es so sehen wie es ist.“ Er verstand nicht, warum er nur Ansichten zu sehen bekam – drohnenartig von oben – die kein Mensch jemals sehen wird. „Mir gefällt es gar nicht, das passt gut in ein Industriegebiet.“ Außerdem kritisierte er den Aspekt Flachdach. Man bringe das Wasser nicht weg und das Stilelement Vordach hätte ebenso einen Sinn.

Thomas Mandl zeigte sich ebenso überfordert: „Ich wage es nicht, eine Entscheidung zu treffen. Das ist wie eine Lawine an Eindrücken.“ Während Heino von Hammerstein für eine Entscheidungsverschiebung war, drängten Peter Schiffmann und Bürgermeister Hagn auf eine Entscheidung. Schließlich einigte man sich darauf, dass die weiteren Planungen auf dem Beschluss erfolgen: es wird ein rechteckiger Bau auf N-S-Achse mit einer Zweigeschossigkeit. Nur Heino von Hammerstein stimmte dagegen.


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