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Kämmerer übernimmt leere Kassen

Rottachs neuer Schuldenzähler

Von Robin Schenkewitz

Keine Rücklagen, steigende Schulden und anstehende Großprojekte: Die Finanzlage von Rottach ist schwierig. Und ausgerechnet jetzt muss sich ein neuer Kämmerer einarbeiten, weil der alte die Gemeinde nach München verlassen hat. Doch der hat seinem Nachfolger noch einen wenig vertrauenserweckenden Rat mit auf den Weg gegeben: Rottach muss an seiner Infrastruktur sparen.

Großprojekte wie die Rottacher Turnhalle haben die Kassen der Gemeinde gelehrt.
Großprojekte wie die Rottacher Turnhalle haben die Kassen der Gemeinde gelehrt.

Das wird keine einfache Aufgabe: Zwar steht die Gemeinde Rottach aktuell finanziell noch solide da, doch die Vorzeichen für die kommenden Jahre sind alles andere als rosig. Großprojekte wie der Bau der neuen Turnhalle, des Seeforums und jetzt des Bauhofs haben die Rücklagen auf ein Minimum schmelzen lassen.

Daher muss die Gemeinde schon für dieses Jahr einen Kredit in Höhe von 1,5 Millionen Euro aufnehmen, um die Ausgaben ausgleichen zu können. Damit steigt die Schuldenlast von Rottach von 2,151 Millionen auf 3,839 Millionen Euro. Zusammen mit den Schulden vom Schulverband Tegernseer Tal liegt die Pro-Kopf-Verschuldung eines jeden Rottachers damit bei 798 Euro, der landkreisweite Durchschnitt liegt bei 770 Euro.

„Profi“ kann sich schnell einarbeiten

Ausgerechnet in dieser Situation verlässt Kämmerer Toni Pietzko die Gemeinde in Richtung München, wie TS bereits im Dezember berichtete. Ab dem 1. April wird er eine Stelle bei der Bayrischen Versorgungskammer antreten. Sein Nachfolger wird der 41-jährige Rottacher Martin Butz, wie Geschäftsleiter Gerhard Hofmann bestätigt.

Aktuell ist Butz als Steuerfachwirt tätig, was ihm den Einstieg in den Job des Kämmerers laut Hofmann vereinfachen sollte: „Wir haben zwar ein etwas anderes System, die Kameralistik, aber als Buchhaltungsprofi sollte er sich da schnell reinfinden.“ Den laufenden Betrieb könne Butz also schnell übernehmen. Bis er sich jedoch vollends eingearbeitet hat, könne es laut Hofmann noch länger dauern.

Grund ist, dass der Kämmerer sich in alle Verträge einlesen muss, die die Gemeinde geschlossen hat. „Und das sind viele“, meint Hofmann. Das werde sicherlich nicht einfach und man werde improvisieren müssen, aber das war ohne etatmäßigen Kämmerer nicht anders. „Den Haushalt 2017 wird er aber schon selbst präsentieren“, ist Hofmann zuversichtlich.

Warmbad in Gefahr?

Und der sollte gut überlegt sein. Denn die Mahnungen, die Pietzko in seine diesjährige Haushaltsvorlage geschrieben hat, klingen alles andere als beruhigend. Für die Sanierung der Gemeindehäuser sowie andere Großprojekte wird man sich laut Pietzko überlegen müssen, wie diese finanziert werden können.

Da die Rücklagen aufgebraucht sind, wird man auch 2017 einen Kredit aufnehmen müssen, doch diese Möglichkeit könne nicht ins unermessliche ausgeschöpft werden. Daher rät der ehemalige Kämmerer der Gemeinde, Angebote bei der Infrastruktur einzusparen. In anderen Gemeinden hat dies traditionell Luxusangebote wie etwa das Rottacher Warmbad getroffen. Die Entscheidung darüber obliegt allerdings den Politikern.


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