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Warum Schwimmkurse für Asylbewerber überlebensnotwendig sind

Sie kamen, sahen, schwammen nicht

Von Nicole Kleim

Je schöner der Sommer, desto mehr Menschen ertrinken. Das geht aus einer Studie der DLRG hervor. Gerade in den Monaten Juni bis August locken die Seen rund um Holzkirchen zum Baden und werde zur Gefahr für alle Nichtschwimmer. Besonders Flüchtlinge stellen eine Risikogruppe dar.

Am Seehamer See wird im Sommer viel gebadet - damit stellt das Gewässer aber auch eine Gefahr dar
Am Seehamer See wird im Sommer viel gebadet – damit stellt das Gewässer aber auch eine Gefahr dar

Wie die DLRG in ihrer Pressemitteilung aufzeigt, nimmt der Zahl der ertrunkenen Asylsuchenden zu. Die DLRG hat darauf bereits reagiert und die Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt. Zu den Hauptgefahrenzonen zählen nach wie vor unbewachte Binnengewässer, Flüsse, Bäche, Teiche und Seen.

Auch das Oberland stellt mit Seen, Bächen und Bädern eine Gefahr für Nichtschwimmer dar. Werner Wiemken vom Gesundheitszentrum Kreuth beispielsweise bietet Flüchtlingen die Möglichkeit, an Schwimmkursen teilzunehmen. Migranten aus Syrien, Libanon und Nordafrika lernen bei ihm, wie man sich über Wasser hält. Wiemkens Erfahrung zeigt, dass dieses Angebot nicht unbedingt freudig angenommen wird.

So erschien eine von der Gemeinde Kreuth angemeldete Gruppe mit sieben Flüchtlingen – im Alter von 18 bis 25 Jahren – entweder gar nicht oder nur vereinzelt zu den vereinbarten Schwimmstunden. „Von sieben Anmeldungen waren durchgängig lediglich zwei bis drei Personen da“, so Wiemken.

Die Einstellung entscheidet

Ganz anders dagegen seine Erfahrung mit einer Flüchtlingsfamilie, die der Kreuther Kindergarten betreut und zu ihm geschickt hat: „Mit der Familie hat es sehr gut geklappt.“ Wiemken ist der Meinung:

Erfolg oder Mißerfolg beim Schwimmen hängt sehr stark von den einzelnen Personen und ihrer Einstellung ab.

Doch nicht nur Flüchtlinge stellen eine Risikogruppe dar, auch Kinder – und viele ältere Menschen – verlernen zu schwimmen oder haben es nie beigebracht bekommen. Während früher jedes Kind schwimmen lernen musste, haben Eltern heutzutage weniger Zeit, ihren Kleinen das Schwimmen beizubringen. Oft arbeiten beide Elternteile, und auch Schwimmkurse kosten Zeit und Geld.

Und im Alltagsstress mangelt es Eltern häufig an der nötigen Geduld. Sie übersehen dabei oft, dass schon ein flacher Gartenteich zur tödlichen Gefahr werden kann. Werner Wiemken weist darauf hin:

Schwimmenlernen ist lebenswichtig und sehr ernst zu nehmen, wird aber vom Großteil der Bevölkerung oft nicht ernst genommen

Auch Schulen tragen seiner Meinung nach Verantwortung: „Schwimmunterricht müsse konsequent durchgeführt werden.“ Der Wunsch des Kreuther: Schwimmbäder zu erhalten und nicht in Spaß- oder Wellnessbäder umzuwandeln. Kommunen sollten seiner Meinung nach Schwimmunterricht in der Breite ermöglichen. Doch meist steht Schwimmen aus versicherungstechnischen Gründen nicht auf dem Lehrplan.

Schwimmen lernen, aber richtig

Wer schwimmen lernen will, der sollte einfach bei der Wasserwacht und bei der DLRG anfragen. Die Lebensretter bieten jeden Donnerstagabend von 18 bis 20 Uhr im Wiesseer Hallenbad Schwimmtraining an. Jeder kann hier am regulären Training teilnehmen. Lediglich der reduzierte Hallenbad-Eintrittspreis von 2,50 Euro pro Stunde ist zu entrichten. In der Regel brauchen Kinder durchschnittlich zehn Übungsstunden. Dann gehen sie mit einem Seepferdchen nach Hause.

Eine gute Vorbereitung, um für den ersten Seekontakt gewappnet zu sein. Dass der Weg der richtige zu sein scheint, bestätigt die Gmunder Wasserwacht: Im vergangenen Jahr musste beispielsweise im Tegernsee niemand vorm Ertrinken gerettet werden. Und auch in diesem Jahr gab es – bis auf ein paar Wespenstiche und Glasunfälle – noch keinen größeren Einsatz der Wasserwacht.

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