Kreuth entscheidet über Alm-Zukunft:
Siebenhütten keine Saurüsselalm 2.0

von Maxi Hartberger

Seit der Schließung des beliebten Ausflugsziels Siebenhütten in Kreuth wird nach einer Lösung gesucht. Verschiedene Alternativen standen zur Debatte. Jetzt hat der Gemeinderat eine Entscheidung getroffen – mit Bedingungen.

Seit Monaten wird nach Lösungen für Siebenhütten gesucht. / Quelle: Redaktion

Seit Anfang des Jahres steht man bei dem beliebten Ausflugsziel Siebenhütten in Kreuth vor verschlossenen Türen. Die denkmalgeschützte Alm aus dem 15. Jahrhundert ist dem enormen Besucheransturm der letzten Jahre nicht mehr gewachsen.

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Das gesamte Gebiet unterhalb der Blauberge, hinter Wildbad Kreuth, ist im Eigentum der herzoglichen Familiengesellschaft Wildbad Kreuth. Betrieben wird die Alm bereits seit zwölf Jahren durch Familie Bogner, die auch den Voitlhof und das Café Gäuwagerl in Rottach-Egern betreibt.

Im Frühjahr entschloss sich die Familie dazu, Siebenhütten in diesem Jahr nicht zu öffnen und nach einer Lösung für die Zukunft zu suchen. In der Zwischenzeit wurden Wanderer und Ausflügler durch einen kleinen Brotzeitstand versorgt.

150 Jahre alter Stadel nicht lokal genug

Ursprünglich wurde ein Neubau als Lösung ins Auge gefasst. Dieser sollte auf einer Fläche neben dem Biergarten entstehen, auf der bereits vor 150 Jahren eine Almhütte stand. In der Zwischenzeit wurde Josef Wolfgang Bogner Jun. allerdings auf einen historischen Heustadel aufmerksam. Die Idee: Ähnlich wie beim Voitlhof sollte der 150 Jahre alte Stadel an den Tegernsee geholt werden. Der Stadel hat in etwa die Maße wie die bestehenden Hütten und würde sich damit gut in das Ensemble einfügen.

In der gestrigen Sitzung beschäftigte sich nun auch der Gemeinderat mit dem beliebten Ausflugsziel in Kreuth. Die wichtigste Nachricht zuerst: Die Idee mit dem Stadel ist vom Tisch. Doch warum, wenn gerade Familie Bogner dafür bekannt ist, historischen Gebäuden neues Leben einzuhauchen? Der Grund ist einfach, wie Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) erklärt:

Der Denkmalschutz hat es nicht begrüßt, dass der Heustadel nicht aus unserer Region, sondern aus Schleching kam.

Somit stand wieder ein neues Gebäude zur Debatte. Der Clou dabei: „Die neue Alm soll zu einem nicht unerheblichen Teil in den Hang eingebaut werden, sodass sich im Hang ein Naturkeller befindet und die Hütte nach außen gar nicht so groß wirkt“, erklärt Bierschneider die vorgelegte Planung. Der Hang rutsche bereits jetzt ab und wird in dem Zuge befestigt und renaturiert. „Das war auch eine Forderung des Naturschutzes, die damit erfüllt wird.“

Die geplante Hütte soll eine Länge von 17,70 Meter und eine Breite von 6,60 Meter haben. Die sichtbare Länge, sprich der Gebäudeteil, der nicht vom Hang verdeckt wird, beträgt nur zwölf Meter. Zum Vergleich: Das jetzige Gebäude hat eine Größe von 5,72 Meter Länge und 11,60 Meter Breite. Die gesamte Gestaltung des Gebäudes ist angelehnt an die anderen Hütten.

Klare Bedingung: Keine Eventlocation à la Saurüsselalm

Der Bürgermeister betonte, dass man dem Projekt insgesamt positiv gegenüber steht, der Gemeinderat aber nur unter bestimmten Bedingungen die Genehmigung erteilt. Diese lauten wie folgt:

  • Der Neubau für Siebenhütten muss die Bewirtung von Wanderern und Ausflüglern in der Sommersaison gewährleisten.
  • Das Speisen- und Getränkeangebot ist auf Wanderer auszurichten.
  • Sollte die oben genannte Nutzung nicht mehr erfolgen, muss der gesamte Neubau wieder zurückgebaut werden.
  • Die Bewirtung darf ausschließlich tagsüber (maximal bis 20.00 Uhr) erfolgen. Abendnutzungen sind grundsätzlich ausgeschlossen.
  • Der Boden um die Hütte wird nicht gepflastert oder geteert, sondern dem übrigen Ensemble angeglichen.
  • Der Baumbestand wird erhalten.
  • Die bestehende, alte Hütte darf nicht anderweitig genutzt werden, sondern dient weiterhin der Almwirtschaft.

Diese Vorgaben haben einen offensichtlichen Grund: Die Gemeinde Kreuth will eine Saurüsselalm 2.0 wie in Bad Wiessee vermeiden. Martin Walch von der SPD-Fraktion machte deutlich: Er vertraue Familie Bogner vollkommen, doch bei einem Betreiberwechsel muss der Zweck der Alm gesichert sein.

Uns ist es ganz wichtig, dass die Abendnutzungen ausgeschlossen sind. Wir sehen das Problem ja jetzt in anderen sogenannten „Almwirtschaften“, dass das ausgenutzt wird. Es soll eine einfache Wanderwirtschaft bleiben und keine Eventlocation werden.

Josef Bogner Sen. meldete sich noch in der Sitzung zu Wort und versprach: „Wir haben noch nie und werden nie Veranstaltungen ausrichten, da kommt höchstens mal der Skiclub Kreuth.“ Siebenhütten sei keine Gaststätte im herkömmlichen Sinne, weil man im Innenraum keine Plätze anbietet – „das wollen wir auch nicht, wie beispielsweise andere Almen, die aktuell oft in der Presse stehen.“ Siebenhütten bleibt ein Saisonbetrieb: Sechs Monate im Sommer geöffnet, fünf Monate im Winter geschlossen.

„So, wie man’s früher gemacht hat“

Markus Wrba (FWG) wollte von Bogner Senior bei der Gelegenheit wissen, wie der Neubau energetisch gestaltet werden soll. „So, wie man’s früher in einer Alm eben gemacht hat: Wir kochen und heizen mit Holz“, so die eindeutige Antwort. Die Kühlung übernehme der Naturkeller und zusätzliche Kühlschränke.

Der Gemeinderat war sich einig: Sie erteilten die Genehmigung unter den oben genannten Bedingungen. Familie Bogner, die erwartungsgemäß selbst unter den Zuhörern saß, nahm die Entscheidung entspannt entgegen. Zuvor gab es bereits einige Gespräche und Ortsbesichtigungen, sodass die Genehmigung wohl keine große Überraschung war. Die Erleichterung darüber, dass die Zukunft von Siebenhütten nun gesichert ist, war dennoch spürbar.

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