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Interview mit Wiessees Bürgermeister über Zweitwohnsitzler und Tagestouristen

“Zuhören hilft” – Frag’ den Robert

Von Martin Calsow

Der neue Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn sieht einige Dinge ein wenig anders als seine Bürgermeister-Kollegen aus dem Tal. Freunde wird er sich damit nicht überall machen. Aber das ist ja auch nur eine der vielen Anforderungen an eine neue Kraft. Ein Interview.

Wir sprechen mit Wiessees Bürgermeister Robert Kühn über Zweitwohnungsbesitzer, Wohnungsknappheit und Tagestourismus.

Herr Bürgermeister Kühn, Ihre Kollegen Hagn, Köck und Bierschneider positionierten sich in den vergangenen Monaten gegen mehr Zweitwohnungen. Mal werden Steuern erhöht, mal sollen sie gar nicht mehr kommen. Wie ist Ihre Position hierzu?

Robert Kühn: Ich kann angesichts von Wohnraum-Knappheit die Argumente der Kollegen durchaus verstehen. Aber vieles, was vor Corona richtig war, sieht jetzt anders aus. Wir haben als Gemeinde massiv unter dem Einbruch von Umsätzen im Einzelhandel und in der Gastronomie zu leiden.

Ich kann mir als verantwortungsbewusster Bürgermeister gar nicht leisten, auf kaufkräftige Gruppen zu verzichten. Es geht in unserem Ort für die meisten Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen um jeden Euro. Da halte ich es für nicht richtig, eine Kampagne gegen Zweitwohnungsbesitzer zu starten.

Aber der Wohnraum bleibt knapp, und er wird durch die Nachfrage von Zweitwohnsitzlern zudem auch noch teurer. Das kann doch nicht Ihr Ziel sein?

Kühn: Die Preise für Grundstücke und Wohneigentum steigen, weil unser Tal attraktiv ist, auch und vor allem in Zeiten der Krise. Hier konnten wir vor die Tür treten und waren in den Bergen, in der Natur. Aber es braucht eine ausgeglichene Rechnung. Mir geht es nicht darum, ideologisch auf einen Zuzug zu reagieren.

An Zweitwohnungen hängen direkt und indirekt etliche Arbeitsplätze und die Zukunft von Menschen, die hier im Tal dauerhaft leben. Die aber brauchen Wohnraum. Es geht also um eine Balance. Auch da sind wir in Bad Wiessee mit 177 Wohnungen schon gut aufgestellt. Es geht noch mehr, sicher. Aber derzeit halte ich die Diskussion um Zweitwohnungen für sehr akademisch.

Sie halten somit Fragen zur Zukunft Bad Wiessees für zu akademisch?

Kühn: Zuhören hilft, lieber Herr Calsow. Ich will ein gesundes Maß haben. Mir hilft keine “Ihr gegen uns”-Diskussion. Wir müssen gemeinsam die Folgen der Corona-Krise für unser Tal, unsere Gemeinden stemmen. Die Kaufkraft eines jeden ist für Geschäfte, Dienstleistunger und für die Gastronomie in den nächsten Monaten entscheidend. Da helfen auch nicht Ihre Kommentare. Die kommen sicher bei einigen Einheimischen gut an, aber ich habe die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger zu vertreten.

Ich will mich an solchen polarisierenden Diskussionen nicht beteiligen. Bad Wiessee soll weiterhin lebenswert sein.

Das ist meine Aufgabe, die ich ernst nehme. Und bitte vergessen Sie einen wichtigen Aspekt nicht: Weil es sich hier so gut leben lässt, werden aus Zweitwohnungsbesitzern nicht selten Erstwohnungsbesitzer, die dauerhaft bei uns leben.

Gut. Vielen Dank für den Tipp. Können wir uns darauf einigen, dass Tagestouristen mit dem Verkehr, den sie am Wochenende erzeugen, phasenweise eine kaum zumutbare Belastung darstellen?

Kühn: Ohne Zweifel. Da müssen wir gegensteuern. Aber wir werden doch nicht sagen: Bleibt weg. Wir sagen: Kommt mit anderen Verkehrsmitteln. Und: Wir werden schnell und nachhaltig mit den anderen Gemeinden an neuen Lösungen für den Verkehr arbeiten. Da bin ich über jede Initiative froh.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kühn.


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