"Sparkassler" widerspricht Bromme

Färbers Geburtstag zur Akquise?

Gerne hätte Georg Bromme als Ex-Chef der Kreissparkasse (KSK) die Party zum Siebzigsten von Vize-Landrat Arnfried Färber für sich reklamiert. Schließlich übernahm er auch die Kosten von 55.374 Euro. Doch immer mehr Zeugen zerstören Brommes Konstrukt einer Werbeveranstaltung. Am Montag war es ein Sparkassen-Manager.

Arnfried Färbers 70. Geburtstag im Alpengasthof „Glück Auf“ in Hausham sollte als Werbeveranstaltung durchgehen

Brommes Strategie für den Oktober 2010: Arnfried Färbers 70. Geburtstag im Alpengasthof „Glück Auf“ in Hausham sollte als Werbeveranstaltung der Kreissparkasse (KSK) deklariert werden, da er allein die entstandenen Kosten zu verantworten hatte. Färber nahm dieses Angebot wohl gerne an, „um sich eigene Kosten zur Ausrichtung einer Geburtstagsfeier zu ersparen“, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.  

Die Einladungskarten wurden vom damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden Jakob Kreidl und Bromme unterzeichnet. Eine Sparkassen-Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation war mit der Organisation der Feier beauftragt. Insgesamt nahmen daran 169 Personen teil, davon 94 Gäste aus dem Familien- und Freundeskreis des Vize-Landrats.

Da der Saal nicht Brommes Vorstellungen entsprach, ließ er ihn aufmöbeln. Ein neuer Teppich für knapp 3.000 Euro musste rein, eine entsprechende Beleuchtung für 2.300 Euro und Blumenschmuck für 15.200 Euro, geordert bei einer Kundin der KSK, die ein entsprechendes Minus auf dem Konto hatte. Über 2.000 Euro verschlangen auch die Einladungskarten. Doch was fehlte, waren Flyer der Sparkasse oder sonstige Werbung, die auf eine Kundenveranstaltung der KSK hindeuten würde, wie sie Bromme vorschwebte.

„Geht zu euren Kunden“

Wenn diese Veranstaltung von Anfang an der Akquise dienen sollte, warum wurde keine Werbung gemacht, wollte das Gericht vergangene Woche wissen. „Ich war Gegner von überzogener Werbung“, so Bromme. „Dezente Werbung ja, aber nicht schreiend“. Man sollte aber schon merken, dass „die Sparkasse dahinterstand“. Dies sei allen im Saal klar gewesen.

Ihm sei es aber mehr um Kundenpflege gegangen, sagte er zur Rechtfertigung der Kosten von 55.000 Euro. „Im Reigen der Werbeveranstaltungen war Färbers Feier zum Siebzigsten eine davon“. Daher habe er sich auch sehr über die Sitzordnung seiner 15 Sparkassen-Mitarbeiter geärgert, die zunächst wie ein „Rudel“ an einem Tisch gesessen habe. “Geht zu euren Kunden”, habe er seine Mitarbeiter angeherrscht, wenn sie in Gruppen zusammenstanden.

Brommes Strategie zunichte machte gestern auch sein damaliger stellvertretender Vorstand Ernst Mair als Zeuge. „Es war eine Geburtstagsfeier für Färber, aber keine Kundenveranstaltung“. Am Saaleingang hätte es zwar Girlanden der Sparkasse gegeben, sonst aber keine Werbung, so Mair: „Es waren auch keine Kundengespräche vorgesehen“.

Der Kommunale Prüfungsverband kontert Bromme

Auch der Kommunale Prüfungsverband verwehrt Bromme die Gefolgschaft. Färber Geburtstagsfeier war „zu keinem Zeitpunkt als nach außen wirkende Repräsentations- oder Werbeveranstaltung geplant“. Die Gästeliste sei „weitgehend“ von Färber bestimmt wurden. Die Sparkasse hatte auf „die Gäste des Jubilars“ keinen Einfluss, auch wenn sie „auf der Einladung als Veranstalterin auftrat“.

Die Feier habe „keinerlei öffentliche Wirkung“ gehabt. Die steuerliche Behandlung durch die KSK entsprach „diesem Charakter einer privaten Geburtstagsfeier“. Deren Kosten würden „jedoch eindeutig“ die Grenzen einer „herkömmlichen Anstandspflicht überschreiten“. Eine Bewertung, die Bromme so nicht gelten lassen will.

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26.10.: Die Vergnügungsreisen der Sparkassen-Connection
4.11.: Zum Wohle des Landrats
21.11.: Fragwürdige Tourismusförderung
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19.11.: Mehr als ein Glaserl Wein
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27.11.: Kreidls Geburtstagssause vor dem Kadi
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