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Die Sponsoring-Affäre und die Kreuther Weißach-Alm

Wie die Entenessen vors Gericht kamen

Viele Jahre wurden auf Kosten der Kreissparkasse (KSK) Enten und Knödel verdrückt. Doch mit Aufkommen der Miesbacher-Affäre Anfang 2014 war Schluss damit. Bei Razzien stießen die Ermittler auch auf hohe Weinrechnungen. Sie machten daraus einen Anklagepunkt im Strafverfahren gegen Kreidl, Bromme und Co.

Zum Entenessen in der Weißach Alm wurde “traditionell” teurer Brunello getrunken

Jeweils im Januar traf sich eine illustre Runde in der romantisch gelegenen Weißach-Alm in Kreuth. Zu feiern gab es jeweils den Abschluss eines „Kooperationsseminars“ in Rottach-Egern mit Beteiligung der Landkreistage von Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Aus Bayern nahmen ehemalige und amtierende Landräte, Minister, Sparkassenpräsidenten, Vertreter der Regierung von Oberbayern, des Landkreistages und der jeweilige Bürgermeister von Kreuth teil, zuletzt Josef Bierschneider. So jedenfalls schilderte Ex-Sparkassenchef Georg Bromme als Angeklagter den Teilnehmerkreis, dessen Rechnung seine KSK übernahm. 2011 waren es 4.600 Euro, ein Jahr später 5.000 Euro.

Brunello für 52,60 Euro pro Flasche

Vor allem der Wein hatte es der Staatsanwaltschaft angetan. Denn statt eines schnöden Zweigelts für 26,50 Euro ist ein teurer Brunello für 52,60 Euro pro Flasche serviert worden. Zuletzt waren es 39 Flaschen. Damit hätte der Preis für die Weine die Kosten für die Enten um knapp 50 Prozent überschritten. Für die Bezahlung des Essens bestand laut Staatsanwaltschaft “kein betrieblicher veranlasster Grund”.

Doch den Brunello habe es schon gegeben, solange er zurückdenken könne, verteidigte sich Jakob Kreidl als ehemaliger Landrat. Schon seine Vorgänger Gröbl und Kerkel hätten zu diesem „traditionellen“ Entenessen mit Knödel und Blaukraut nach dem Seminar eingeladen.

Brommes „enges Verhältnis“ zum Sparkassenprüfer

Die Rechnung sei direkt an die KSK gegangen, so Bromme. Alle Prüfer, ob im Sparkassenverband, der Regierung von Oberbayern und seiner KSK hätten von dem Entenessen gewusst. Vom Leiter der Prüfungsstelle des Sparkassenverbandes, Matthäus P., zu dem er ein „enges Verhältnis“ gehabt und sich „wöchentlich“ mit ihm getroffen habe, sei kein Wort einer Beanstandung gekommen.

Zu P. soll Bromme nach Informationen der Tegernseer Stimme einen „guten Kontakt“ gehabt haben. Wenn es für Bromme brenzlig wurde, soll es nach einem Gespräch mit P. teilweise zu keinen Feststellungen mehr gekommen sein, sagen Insider.

Was Bromme nicht erwähnte, dass besagter Matthäus P. nur bis 2007 im Amt war. Danach wurde es Anita D.-T., die vom Gericht wegen mehrfacher Beihilfe zur Untreue zu einem Strafbefehl verurteilt wurde.

Kreidl sieht “kein Problem”

Zum Entenessen eingeladen hätte in den beanstandeten Jahren 2011 und 2012 Jakob Kreidl als Landrat. Dieser hatte mit dem Entenessen vor Gericht „kein Problem“, denn es sei seit 1978 „bestehende Praxis“ gewesen. „Ich hätte gar nicht gewusst, wie ich das beenden sollte“. Die Kosten seien immer von der KSK übernommen worden.

Die Seminarkosten allerdings seien von den Gästen getragen worden. Die „Kooperationsseminare“ hätten oft zu einem regen Meinungsaustausch geführt. So habe man über die Verbindungen der Sparkassen in anderen Bundesländern erfahren. Seine Teilnahme am Seminar, so Kreidl, erfolgte im Rahmen einer Dienstausübung. Es sei keine „verdeckte Finanzierung“ erfolgt, denn man habe schon der Einladung entnehmen können, wer die Kosten trägt.

Sparkasse und Landratsamt bekamen kalte Füße

Im Jahr 2014 sei dann Sparkassen-Chef Martin Mihalovits auf ihn zugekommen, dass angesichts der „Sondersituation“ mit der aufkommenden Berichterstattung über das Sponsoring doch nun das Landratsamt die Kosten übernehmen sollte.

Dies bestätigte im Kern auch Mihalovits in seiner Einlassung. Da er Anfang 2013 noch nicht lange im Amt gewesen sei, hielt er es für „sinnvoll“, diese Veranstaltung mit politischen Repräsentanten zu finanzieren. Bei dem Essen im Januar 2013 habe er aber veranlasst, dass ein preiswerterer Wein ausgeschenkt werde. Doch dies sei bei einigen Teilnehmern nicht gut angekommen. Sie hätten aus „Protest nur Bier“ getrunken und „demonstrativ auf Wein verzichtet“. Wegen der Kostenübernahme hatte er keine Bedenken, so Mihalovits, den es bestand „ein Bezug zur Geschäftstätigkeit der Sparkasse“.

Und dass die bezahlen würde, sei auch aus der Tischrede von Kreidl hervorgegangen, „der sich ausdrücklich bei der Kreissparkasse für die Kostenübernahme bedankte“. Ein Jahr später war die Lage schon anders. Unter seinen Rotstift bei Ausgabenkürzungen, so Mihalovits, sei auch das Entenessen gefallen, an dem auch der Präsident des Sparkassenverbandes nicht mehr teilgenommen habe.

Rzehak habe „diese Essen nicht gestoppt“

Ab 2015 war dann das Sponsoring beendet. Das Landratsamt hat die Kosten nicht mehr übernommen, so Kreidl. Sein Nachfolger als Landrat, Wolfgang Rzehak, sei von der Rechtsaufsicht angehalten worden, „diese Tradition nicht mehr fortzusetzen“. Doch Kreidl fügte auch hinzu, dass Rzehak als Verwaltungsrat der KSK „diese Essen nicht gestoppt hatte“.

Rzehaks Pressesprecher Birger Nemitz teilt dazu nun auf Nachfrage mit, dass die Landkreisverwaltung „kein Enten-Essen – mehr (Anmerkung des Autors) – auf der Weißach-Alm in Kreuth organisiert“. Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee bezahle schon „seit Jahren kein solches Essen mehr“, lässt Rzehak auch als Nachfolger Kreidls auf dem Chefsessel des Verwaltungsrats der KSK ausrichten.

Bei den Gästen aus Rheinland-Pfalz, die weiterhin jährlich zum Entenessen auf die Weißach-Alm nach ihrem Seminar in Rottach pilgern, nun auf eigene Kosten, ist man über das staatsanwaltliche Verdikt verdutzt. Gegenüber der Rheinpfalz-Zeitung sagte Burkhard Müller, Direktor des Landkreistags, auch er lasse immer wieder Kollegen aus anderen Regionen zu Kooperationsseminaren anreisen, für die auch die Sparkassen als Sponsoren herangezogen werden. Und der Sparkassenverband des Bundeslandes versichert, ein Fall, wie er in Bayern verhandelt werde, sei hierzulande „nicht bekannt“. So können sich die Angeklagten in München nur damit trösten: Rheinland-Pfalz, du hast es besser.

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25.10.: Kreidl sieht sich zu Unrecht am Pranger
26.10.: Die Vergnügungsreisen der Sparkassen-Connection
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21.11.: Fragwürdige Tourismusförderung
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19.11.: Mehr als ein Glaserl Wein
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27.11.: Kreidls Geburtstagssause vor dem Kadi
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06.12.: Milde Urteile in der Amigoaffäre?


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